Qualitätsbericht   

 

Regionale Schule mit Grundschule Hiddensee

 

Auf der  Insel Hiddensee gibt es vier Dörfer.

Nach den Schulen in Kloster und Neuendorf wurde am 2.11.1887 die Schule in Vitte, dem zentral gelegenen Ort, gegründet. Anfang 1900 unterrichtete dort ein Lehrer 100 Schüler, vormittags die oberen Klassen und am Nachmittag die unteren Klassenstufen. Erst 1905 entstanden eine zweite Lehrerstelle und ein zweiter Klassenraum. 1964 gab es erstmals eine
9. Klasse. 1966 kamen  die Schüler der Klassen 5-10 von Neuendorf nach Vitte; seit 1975 auch die Klassen 1-4. Ab 1969 haben alle Klosteraner Schüler  Unterricht in der Vitter Schule.

Noch heute kommen mit Bus, Fahrrad oder zu Fuß alle Schüler nach Vitte zur (einzigen) Schule.

Die Grundschulräume sind im alten Schulhaus, wo auch  Sekretariat und Lehrerzimmer ihren Platz haben. Die großen Schüler lernen im „Neubau“, der in der heutigen Größe 1988-90 auf dem Schulgelände entstand. Der Schulhof liegt zwischen den Gebäuden. Eine Turnhalle existiert trotz jahrelanger intensiver Bemühungen nicht. Der Sportplatz ist ein einfacher Rasenplatz mit Fußballtoren.

Der Geburtenrückgang hat sich auf Hiddensee besonders deutlich niedergeschlagen, da es auf der Insel kaum Zuzug gibt. Dies erklärt die geringe Zahl von 50 Schülern. Wir sind 7 Lehrer. Zwei weitere Kollegen von der Insel Rügen unterrichten jeweils für einen Tag bei uns.

Seit über 10 Jahren arbeiten wir mit jahrgangsstufenübergreifenden Klassen. Kleine Klassen tragen im Übrigen sehr zur Schüler- und Lehrergesundheit bei.

In der Präambel des Leitbildes der Regionalen Schule mit Grundschule Hiddensee steht:

„Eine „kleine“ Schule auf einer kleinen Insel kann für Schüler/innen eine fast familienähnliche Geborgenheit schaffen und trotzdem alle Häfen öffnen, die ihnen den Weg nach „draußen“ ebnen, ohne sie ihrer Wurzeln zu berauben.“

Für eine angenehme Lern- und Arbeitsatmosphäre - eine Voraussetzung für Gesundheit - sorgen Schüler/innen und Lehrer/innen gemeinsam.

Da Gesundheitserziehung auch Bestandteil unseres Schulprogrammes ist, beschlossen wir im August Bewegung und Gesundheitwir tun etwas zum Jahresthema zu machen, um Nachhaltigkeit zu erreichen. Danach stimmten wir die schulinternen Lehrpläne unter Einbeziehung der Schüler/innen auch hinsichtlich unseres Jahresthemas ab. Gesundheit und Bewegung wurde fächerverbindend und zum fachübergreifenden Unterrichtsinhalt.

Jeder Kollege baute nach seinen Möglichkeiten  entsprechende Inhalte in seine Unterrichtsvorbereitungen ein:

  • Schule als gesunder Lebensraum
  • Individuelle, gesunde Lebensführung
  • Gewaltprävention
  • Sexualerziehung
  • Sucht- und Drogenprävention
  • Ernährungserziehung
  • Gesundheitsvorsorge und Krankheit
  • Unfallvermeidung und Erste Hilfe
  • Sport und Bewegung

Seit Schuljahresbeginn gibt es in jedem Monat  besondere Pausen zu dem Thema:
Gesundheit und Bewegung.

Für diese Pausenaktivitäten ist jeweils ein Lehrer mit seiner Klasse verantwortlich.
Themen sind:

  • Milch ist lecker und gesund (selbst hergestellte Milchprodukte werden allen Mitschülern angeboten)
  • Aerobic für eine Flasche Cola
  • Rohkostsalate (analog Milch)
  • Springseil springen
  • Quark statt Schokolade
  • Sport für einen Riegel Mars
  • Rund um den Apfel
  • Line Dance
  • Party auf dem Eis (wenn es die Witterung erlaubt)
  • Das gesunde Schwarze (Brot)
  • Mohrrüben- gesund und vielseitig verwendbar
  • Aerobic
  • Müslivariationen
  • Bockspringen
  • Gesunde Durststiller

Projekte:

Der Apfel war außerdem ein Projekt in Klasse 3/4. Die selbst gefundenen Ergebnisse sind an der Wand im Haus der Regionalen Schule präsentiert.

Projekte dienen dem handlungsorientierten Problemlösen und tragen damit zur Stärkung der Gesundheit und des Wohlbefindens bei, dienen  der Prävention und helfen beim Umgang mit Erkrankungen. Nicht zuletzt wird die Selbständigkeit gefördert.

Die Klassen 7/8 werden das Thema Wasser in Form eines Projektes fächerübergreifend im Mai  behandeln.

Arbeitsgemeinschaften:

Seit Juli 2007  gibt es an der Schule die Arbeitsgemeinschaft Line Dance. 15 Schüler/innen  sind seit dem  begeisterte Tänzer und konnten schon beim Sanddornfest, zum Frauentag und zusammen mit einer Erwachsenengruppe aus Ranzin bei Anklam in den Inselorten ihr Können zeigen. Ein Höhepunkt war  der Aufenthalt im „Eldorado“ (eine Ferien- und Freizeitanlage in Form einer Westernstadt) in Templin, wo bei passender Kulisse drei Tage lang getanzt werden konnte.

Zum Schuljahresbeginn entstand eine zweite Gruppe aus 7 kleinen Tänzern aus Klasse 1 /2. Zwei Lehrerinnen trainieren diese Gruppen und werden selbst zusammen mit den Schülern alle paar Wochen auf freiwilliger Basis durch ein Mitglied der genannten Gruppe angeleitet. So ist eine gute Bewegung entstanden.

Andere Schüler spielen wöchentlich  Fußball. Auch sie werden auf ehrenamtlicher Basis trainiert.

Zwei Schüler aus Klasse 4 fahren jede Woche  mit dem Schiff nach Schaprode und dann weiter mit dem PKW nach Bergen, um beim VfL Bergen Fußball zu trainieren.

Sehr gute und gute Ergebnisse erzielte unsere Schule jedes Jahr bei Leichtathletikwettkämpfen auf regionaler Ebene. Wir nehmen immer mit relativ vielen Schülern an den Spartakiaden in Bergen teil. Um Schwimmen zu lernen, gehen unsere Kinder in das Becken eines Hotels und werden dabei ehrenamtlich von einem Vater, der Rettungsschwimmer ist, und ihrer Lehrerin unterrichtet.

Die Bedingungen für den Schulsportunterricht sind leider sehr kritikwürdig, deshalb kämpfen wir seit Jahren um deren Verbesserung. Leider scheiterten diese Bemühungen immer wieder an den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde Insel Hiddensee. Daher haben wir uns bei der Aktion des DFB um ein Mini- Fußballfeld beworben und die Zusage erhalten 2009 oder 2010 berücksichtigt zu werden. Außerdem ist eine Mehrzweckhalle geplant und die Aussichten der Gemeinde eine Förderung zu erhalten stehen recht gut. Solange diese Maßnahmen nicht umgesetzt sind, können wir zweimal im Jahr die Sportanlagen der Schule „Am Grünen Berg“ in Bergen für alle Schüler nutzen. Diese Tage bringen viel Freude und neue Erfahrungen. Wir sind sehr dankbar für diese Sportmöglichkeit, auch wenn die Fahrten mit einem nicht geringen Geld-, Transport- und Planungsaufwand verbunden sind.
Im Herbst führen wir jeweils einen „Tag der Bewegung“ durch, das traditionelle Sportfest findet im zweiten Halbjahr statt. Seit zwei Jahren organisieren Grundschulteil und Kita im Rahmen des Kooperationsvertrages ein gemeinsames Sportfest.

Momentan arbeiten wir an der Möglichkeit, den Schülern in den Hofpausen Spiel und Sportgeräte auszuleihen.

Alle Erfolge und Ereignisse sind auf unserer Homepage www.schule-insel-hiddensee.de veröffentlicht. Schüler- und Lehrerlisten aus Vergangenheit und Gegenwart, Schulchronik, Entwicklungsprozesse  etc. sind dort auch nachlesbar. Im Wahlpflichtunterricht wird die Homepage immer aktualisiert

Bereits 35 Schülerzeitungen („Inselgörn“)  wurden an unserer Schule herausgegeben. Diese im Wahlpflichtunterricht entstehenden Zeitungen befassen  sich  auch mit dem Thema „Gesunde Schule“, informieren z.B. über vergangene und zukünftige Aktivitäten.

Schüler eines anderen Wahlpflichtkurses lernen Backen und Kochen und beschäftigen sich dabei mit  gesunder Ernährung. Auch in anderen Fächern (z.B. Englisch und Heimat-/Sachkunde) wird immer mal wieder gekocht.

Ein weiterer Wahlpflichtkurs hat das große Thema Wasser zum Inhalt und versucht praktisch und theoretisch diese Lebensgrundlage zu ergründen. So werden nicht nur im Unterricht Reinhaltung, sparsamer Umgang thematisiert.

Lehrer, Schüler und Eltern unterstützen sich bei der Gestaltung außerunterrichtlicher Projekte.

So halfen in diesem Schuljahr die Eltern der Klassen 5/6 beim Projekt zum Thema Quark, ebenso beim Projekt Kürbis der  Klassen 3/4. Eltern sind Begleiter bei den jährlich stattfindenden Klassenfahrten und  bei den Grundschulfahrten unentbehrlich. Alle diese Fahrten bieten ein großes Potential, Selbst- Sozial-, Methoden- und Sozialkompetenzen (Handlungskompetenzen) zu entwickeln bzw. zu erweitern.

In diesem Jahr besuchten unsere Schüler  bereits das Theater, Ozeaneum und die Berufsfeuerwehr in Stralsund. Kino-, Sport-, Klassenveranstaltungen stehen auf dem Plan. Zeit, Kosten und Mühe sind bei der Insellage nicht zu unterschätzen.

Weihnachtsfeiern, Feste und andere Veranstaltungen werden auch immer von Eltern  unterstützt. Gesundes Essen und Trinken,  achtsames Umgehen miteinander, Unfallverhütung etc. sind  gemeinsames Thema, auch in Elternversammlungen und -gesprächen. Immer wieder wird bei diesen Zusammenkünften über  Medienkonsum, Medienmissbrauch, Notwendigkeit von Bewegung, Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Eltern gesprochen.

Unsere Schüler haben eine positive Einstellung zur Teilnahme an Wettbewerben. Sie fuhren nicht nur zu Sportwettkämpfen, sondern auch zu Mathematikolympiaden, nahmen seit neun Jahren am Geografie- und seit zwei Jahren am Känguruwettbewerb teil. Eine Ausstellung mit künstlerischen Schülerarbeiten ist für alle Besucher der Insel Hiddensee im Haus Seeblick zu sehen, was die Schüler mit Stolz erfüllt. Andere Schülerarbeiten schmücken regelmäßig den Schulflur.

Pflanzen gedeihen in den Klassenräumen, die z.T. Produkte des Projektes „ungeschlechtliche Vermehrung“ sind. Ausgestellte Experimente z.B. zur Individualentwicklung, gezüchtete Kristalle wecken Interesse. Mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln haben wir unsere Räume funktional hergerichtet. Die Schüler sind daran immer beteiligt, so dass sie sich in ihrer schulischen Umgebung wohlfühlen. Natürlich ist dieser Prozess noch nicht abgeschlossen.

Bereits zwei Jahre vor dem Inkrafttreten des Nichtraucherschutzgesetzes haben wir die Raucherecke für die 16-jährigen Schüler aufgelöst und das Lehrerzimmer rauchfrei gemacht.

In Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendhilfe in Bergen bildeten wir eine Gruppe von Schülermediatoren aus. Leider fiel die Fortsetzung des Projektes, in der  Nachwuchs gewonnen werden sollte dem Rotstift zum Opfer. Die Kollegin, die das Projekt begleitete, gibt jedoch ihre Erfahrungen weiter und so arbeiten wir in der Konfliktbewältigung mit dem Schüler- und Elternrat zusammen. Die Gewaltbereitschaft an unserer Schule ist zurzeit sehr gering. Auf Grund der geringen Schülerzahl sind Konfliktsituationen schnell überschaubar und zeitnah lösbar.

Unser Schulprogramm beinhaltet auch die bestmögliche Förderung von benachteiligten Schülern. Dieses wird zum einen durch die kleinen Klassen vereinfacht, aber auch durch die enge Zusammenarbeit mit den Eltern, denen wir Förderbedarf aufzeigen und die wir dann auch in Diagnostizierungsverfahren unterstützen.

Schülern mit einer Lese- Rechtschreibschwäche  wird Hilfe durch eine ausgebildete Lehrerin angeboten. Bereits im Vorschulalter halten wir Kontakt zu den Erzieherinnen der Kita.

Die Grundschüler essen im Hort der Kindertagesstätte oder zu Hause. Eine Mittagversorgung für alle Schüler trägt sich auf Hiddensee nicht mehr. Viele, die hier noch im sozialen Umfeld einer Mehrgenerationenfamilie leben, werden von Eltern oder Großeltern versorgt.

Unsere Schule steht in den Ferien anderen Nutzern offen. So kamen jährlich für mehrere Tage Kunsterzieher zum gemeinsamen Malen und Austausch zusammen. Eine Künstlerin bot Kurse für Ferienkinder an. Line Dancer probten.

Bauliche Veränderungen sind bereits umgesetzt: Die Toiletten sind saniert, alle Räume haben neue Fenster und im letzten Jahr ist es gelungen auch im letzten Klassenraum den Fußbodenbelag zu erneuern. Natürlich stehen noch weitere auf dem Plan: 2 Fenster im Eingangsbereich, einige Türen und  Schulmöbel müssen erneuert werden. Malerarbeiten wird es geben, wobei auf unschädliche Farbe zu achten ist.

Spielgeräte und eine neue Tischtennisplatte sollen angeschafft werden. Ein größeres Projekt wird der Schulhof sein. Die Verwirklichung ist immer auch eine Kostenfrage und deshalb problematisch.

Um mit Energie sparsamer umgehen zu können, ist es gelungen, die Heizungsanlage der Schule von den über den Klassenräumen liegenden kommunalen Wohnungen zu trennen.

Alle Nutzer bemühen sich, Drucker, Computer und Kopierer nach Gebrauch auszuschalten.

Zusammenarbeit:

Es besteht eine Vereinbarung mit der Kindertagestätte, die z.B. gemeinsame Ziele und Veranstaltungen beinhaltet.

Vertraglich fixiert ist auch die Zusammenarbeit mit dem Nationalparkhaus der Vorpommerschen Boddenlandschaft in Vitte. Ein Ranger bietet wöchentlich die Arbeitsgemeinschaft „Junior Rangers“ an. 13 Schüler/innen nehmen teil.

Unterstützt wird die Schule von der Reederei Hiddensee. Die Schüler bauen im Gegenzug für die Weihnachtszeit Bügelbäume, traditionelle Weihnachtsbäume der Hiddenseer, die alle Schiffe  der Reederei Hiddensee schmücken.

Gewerbeverein und Schule helfen sich gegenseitig. Schüler gestalten Feste der Insel mit und bekommen Anerkennung und finanzielle Unterstützung. Auch hier ist ein Kooperationsvertrag geplant.

Der jährlich stattfindende Heideeinsatz zum Erhalt der Dünenheide erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Biologischen Institut, das zur Universität Greifswald gehört. Die Nachhaltigkeit dieser Pflegemaßnahmen ist erwiesen.

Schon öfter interessierten sich die Medien für die Besonderheiten unserer Inselschule.

Im Januar drehte der NDR bei uns. Das Ergebnis ist nicht nur die am 8.2.09, 18 Uhr im NDR ausgestrahlte Sendung „Hanseblick“. Es hat auch viel Interesse geweckt und Diskussionen hervorgerufen. Somit ist auch unsere Schule in diesem Medium präsent.

Das Thema Schule und Gesundheit hat eine große Bedeutung, denn Gesundheit, Wohlbefinden, angenehme Atmosphäre und gute Lernergebnisse sind voneinander abhängig. Schulische Gesundheitsförderung durchdringt alle Bereiche und ihre Qualität soll weiter verbessert werden.

Anlage: Vereinbarung zur Zusammenarbeit (s. päd. Ziel- und Aufgabenstellung)

              mit Nationalparkamt und Line-Dance-Gruppe